Gastblogger

27.09.2017

Multichannel, Omnichannel oder doch lieber der klassische stationäre Handel? - Teil 2

Tags: Omnichannel, Mitarbeiter, Karriere
Alexander Löschhorn, Omnichannel-Verantwortlicher bei Galeria Kaufhof

 

Was war Ihr bisher größter beruflicher Erfolg?

Die schönste Aufgabe war im Jahr 2001 die Entwicklung des ersten Onlineshops. Wir haben so viel Herzblut dort reingesteckt und unzählige Tage und Nächte an der Umsetzung gefeilt – danach gab es auch schöne Erlebnisse, aber diese Zeit ist mir am stärksten in Erinnerung geblieben.

Was hat sich in der Zeit, in der Sie bei Galeria Kaufhof arbeiten, verändert?

Es hat sich in den letzten zwei Jahren viel verändert. Wir richten uns im Moment neu aus und werden agiler und schneller in der Umsetzung sowie durchaus auch etwas amerikanischer. Und da treffen wir auch auf die Herausforderung, alle Mitarbeiter mitzunehmen – denn es gibt auch Kollegen, die seit 30 oder 40 Jahren hier arbeiten. Und diese müssen wir genauso von dem Wandel überzeugen wie die jüngeren Mitarbeiter.

Was ist die Vision von Galeria Kaufhof im Hinblick auf Omnichannel?

Der Kunde soll wirklich nahtlos einkaufen können. Beispielsweise wurden in der Vergangenheit Aktionscoupons versendet, die nur online oder offline eingelöst werden können – das ist ein No-Go. Der Kunde muss den Coupon immer an beiden Orten einlösen können, denn nur er entscheidet, wo er einkaufen möchte.

Darüber hinaus arbeiten wir an „Location-Based-Services“, u.a. der Beacon-Technologie. Heutzutage ist es schon so, dass es Unternehmen gibt, die ihren Kunden, sobald sie eine Filiale betreten, eine Push Notification auf das Handy senden – „Hallo! Schön, dass du hier bist“ oder „Heute: Exclusiv für Dich - 20% auf Damenschuhe“. Die Kunden von heute wollen individuell angesprochen werden. Wir kennen das Kaufverhalten unserer Kunden beispielsweise von vergangenen Besuchen in unserem Onlineshop oder der Filiale und können ihnen so spezielle Angebote machen. Auch das ist Omnichannel: Wir nutzen das Handy, die App oder den Onlineshop für den stationären Handel.

Ein weiteres Thema sind unsere 1.500 Tablets in den Filialen: Wie können wir sie noch besser ins stationäre Shopping-Erlebnis bei uns integrieren? Es ist ein weiteres Ziel, dass unser Verkaufsmitarbeiter ein Smartphone oder ein Tablet hat und es bei sich trägt, um den Kunden nach seinen Wünschen zu beraten. Wir wollen den Kunden genau im Blick haben, um individuell auf ihn und seine Vorlieben eingehen zu können. Massenwerbung und Massenansprache kann Jeder, aber zu wissen, was der einzelne Kunde will, ist unser Ziel.

Was ist das Besondere an der Arbeit bei Galeria Kaufhof?

Ich mag an Galeria Kaufhof, dass wir eine Tradition von fast 140 Jahren im stationären Handel haben. Wir haben 2001 den ersten Onlineshop aufgebaut und können nun via Omnichannel diese zwei Kanäle miteinander verzahnen. Wir haben 97 Filialen in Deutschland und mit der Zeit sind wir in unserem Onlineauftritt immer besser geworden. Jetzt wollen wir die optimale Verknüpfung unserer Verkaufswelten hinbekommen. Ich behaupte auch, dass wir zu den oberen 10% gehören, die Omnichannel bereits gut beherrschen und Vorreiter in diesem Gebiet sind. Wir können noch besser werden, aber wir machen es schon ganz gut und sind in den letzten Jahren auch gut voran gekommen.

Andere Unternehmen sind schon an dem Konzept Multichannel gescheitert, wo sehen Sie denn die größte Chance bzw. das größte Risiko im Bereich Omnichannel?

Das größte Risiko ist, dass man viel Geld ohne wirklichen Ertrag ausgibt. Das Thema Multi- bzw. Omnichannel ist noch so jung, sodass die genaue Richtung aufgrund dessen nicht klar sein kann. Die Herausforderung ist es, den nächsten Schritt und das nächste Thema vorauszusehen. Leider wissen wir in der digitalen Welt nicht, wo die Reise hingeht. Wie es weitergeht und woran ich in einem Jahr arbeiten werde, weiß ich heute ebenfalls noch nicht. Es kommt darauf an, wie sich der Markt und das Thema weiterentwickeln.

 

Das Interview wurde durchgeführt und geschrieben von Katharina S., Rebecca L. und Mascha W. im Rahmen eines Webprojekts mit der TH Köln.