Gastblogger

16.08.2017

„Das ist wie 3D Tetris im Endlevel“ - Teil 2


Franco Patti und Maik Dotten verwandeln in der Kölner Hauptzentrale die traditionellen Büroräume in ein modernes Open Space Büro. Wir haben Sie vor Ort getroffen, um mit ihnen über ihren beruflichen Werdegang, Highlights im Job und die großen Herausforderungen während des Umbaus zu sprechen.
Tags: Move, Mitarbeiter
Büroräume bei Galeria Kaufhof

 

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Veränderung, die durch das neue Konzept des Open Space Büros entsteht?

Dotten: Die Mitarbeiter geben zum Teil Besitz auf. Es war mal so, dass man die hierarchische Einordnung, entweder anhand der Anzahl der im Büro befindlichen Fenster oder anhand der Kapazität des Festwahlspeichers am Telefon, erkennen konnte. So ist das Open Office schon eine riesen Herausforderung: Für den Mitarbeiter, der mit seinem Chef auf einer Fläche sitzt, aber genauso auch umgekehrt. Da ist die Frage, wer mehr aushalten muss (schmunzelt). Natürlich gab es aber auch Ängste in puncto Schallschutz. Und wie sind die Laufwege später im Gebäude? Laufen 100 Leute an meinem Arbeitsplatz vorbei?

Patti: Es ist halt ein Entwicklungsprozess. Das Zwischenmenschliche ändert sich gerade sehr. Man geht hier jetzt in Richtung Duz-Kultur. Das war bisher eher verpönt. Und wenn man nicht richtig gekleidet war, ist man auch nicht unbedingt von allen Menschen gegrüßt worden. Jetzt merkt man: Es ändert sich was! Anfangs war es ein bisschen schwierig. Wir haben keinen Applaus dafür geerntet, das muss man ehrlich sagen. Im Gegenteil. Wir haben uns nur noch im Dunkeln hier raus getraut. Mittlerweile hat es sich geändert. Die Kollegen und Mitarbeiter haben sich an diesen Gedanken gewöhnt. Sie haben die ersten Flächen gesehen und kommen jetzt viel besser klar.

Also liegen die Vorteile in Ihren Augen auch darin, dass sich zwischenmenschlich einiges verbessert hat?

Dotten: Wir sitzen jetzt schon einige Monate auf der neuen Fläche. In dieser Zeit hat sich die Kommunikation untereinander stark verbessert – man tauscht sich viel schneller aus. Ich habe schon den Gedanken, eventuell zu viele Besprechungsräume geplant zu haben, da Besprechungen nun direkt vor Ort und in Echtzeit geschehen. Vorher saß man in seinem Büro und fühlte sich ein wenig  isoliert, weshalb ich auch immer die Tür offen ließ. Man bekam von „der Welt“ da draussen wenig mit. Das ist jetzt anders, das Miteinander ist einfach netter. Teilweise ist es natürlich auch anstrengender, sich voll und ganz auf die Arbeit zu konzentrieren. Dennoch würde ich sagen, dass die positiven Dinge überwiegen.

Patti: Ich stimme zu, dass sich das Zwischenmenschliche zum Positiven verändert hat. Man merkt, dass es zwischen den Kollegen harmonischer geworden ist. Es wird jetzt öfter im Büro gelacht, der Umgang ist nicht mehr so ernst und steif. Menschen, die sich zuvor nicht riechen konnten, arrangieren sich jetzt in irgendeiner Form. Zum einen natürlich, weil sie keine andere Wahl haben, aber es scheint ihnen auch nicht schwer zu fallen. Dennoch war es natürlich toll, auch mal die Tür hinter sich schließen zu können, wenn man ein wichtiges Gespräch führen musste. Das ist jetzt eben nicht mehr so, da muss man sich jetzt anders organisieren. Aber im Endeffekt ist das ganze Projekt ein großer Vorteil. Es macht die Wege viel kürzer und die Fläche ist wesentlich schöner.

 

Galeria Kaufhof Maik Dotten
Maik Dotten - Open Space Büro VORHER

 

Woran muss man bei den Umbauten alles denken?

Dotten: Bei uns war es so, dass ich zunächst eine Bauzeit von 36 Monaten angedacht hatte. Die erste Herausforderung war dann, dass Amerika gesagt hat ‚Way too looooong‘ mit fünf O’s. Und dann meinten, dass sich das Ganze auch in 10 Monaten umsetzen ließe. Geeinigt haben wir uns dann zunächst auf 18 Monate.

Wir mussten erst mal eine Baufreiheit herstellen, damit wir überhaupt bauen konnten. Hierzu mussten wir externe Flächen suchen. Da stellte sich die Frage:

Passen diese Flächen auch für die 310 Leute, die wir da rausgezogen haben? Abwasserleitungen mussten überprüft, die Datenverkabelung komplett neu gemacht werden, Serverräume mussten integriert, Kühlanlagen gebaut werden, Grundreinigung vorgenommen werden und so weiter – eben das ganze Portfolio. Wir haben mit Tiefgarage ca. 60.000 qm und bauen 23.585 qm netto Bürofläche um, also zwei Drittel des Gebäudes. Später muss diese Geschichte auch zukunftsfähig bleiben und ein Wachstum integriert werden, damit das Ganze in einem Jahr auch noch passt. Das ist wie 3D Tetris im Endlevel. Bei den Fachbereichen muss geschaut werden, wer mit wem zusammen arbeiten muss und ob diese dann auch zusammen auf die Fläche passen oder nicht. Man muss schauen, wie man das ganze räumlich umsetzt.

Die Gebäude sind auch nicht einfach zu geschnitten, sodass das auch eine große Herausforderung für uns darstellt.

 

Galeria Kaufhof Maik Dotten
Maik Dotten - Open Space Büro NACHHER :)

 

Was war Ihr persönliches Highlight im Job?

Patti: Bei mir war es definitiv meine persönliche Weiterentwicklung vom Handwerker in den kaufmännischen Bereich. Das war damals für mich undenkbar. Hätte man mich vor 20 Jahren gefragt, hätte ich gesagt, dass ich mich nicht den ganzen Tag in einem Büro sitzen sehe. Aber jetzt haben sich die Umstände so ergeben und ich muss sagen, dass ich mich sehr wohl fühle. Der Entschluss, eine Führungsposition anzustreben, war dann natürlich noch bedeutender für mich. Das in 18 Monaten Ausbildung tatsächlich hinter mich zu bringen, hätte ich vorher nie gedacht.

Dotten: Hast du da nicht sogar sehr gut abgeschnitten?

Patti: Das wollte ich jetzt eigentlich nicht hervorheben (lacht), aber ja, ich habe mit drei mal 100 Prozent abgeschlossen. Ich muss dazu sagen, dass ich immer ein wenig mehr mache, da ich Prüfungsangst habe und mich selbst ein wenig unter Druck setze. Das war für mich der größte Meilenstein. Ich habe jetzt die Abteilungsleiterposition und bin verantwortlich für über 20 Mitarbeiter. Dass ich einmal Menschen führen werde, darüber hätte ich vor 18 Jahren nicht im Traum nachgedacht.

Dotten: Ich habe sehr viele Projekte gemacht, aber für mich ist das Open Space Büro die größte Herausforderung. Ich habe mich deutlich weiterentwickelt. Und auch gegenseitig entwickelt man sich weiter. Ein paar Dinge kann Herr Patti besser, ein paar Dinge kann ich besser und dann schmeißen wir alles zusammen und schauen, was wir daraus machen können. Davon abgesehen, war es bei mir auch die persönliche Weiterentwicklung, immer am Ball zu bleiben.

Es kostet viel Schweiß, Zeit, Tränen und Blut, aber es hat mir immer Spaß gemacht. Zum Glück hatte ich immer Menschen um mich herum, die mich gefördert haben.

Jetzt bin ich in der Situation, dass ich Leute fördern kann. Und das wird für mich auch die nächste Herausforderung: Dinge abzugeben, loszulassen.

 

Das Interview wurde durchgeführt und geschrieben von Carina W., Amira T., Julia M. und Lia H. im Rahmen eines Webprojekts mit der Fachhochschule Köln.